Verlieren im Poker
Zu wissen, wann man mit dem Spielen aufhören sollte ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die sich ein Poker Spieler aneignen sollte. Poker Experten empfehlen das Spiel zu verlassen, wenn eine der folgenden Situationen eintrifft: Du bist müde. Du bist "on tilt". Ein Spiel mit vielen schlechten Spielern hat sich plötzlich verändert, entweder weil gute Spieler dazu gekommen sind, oder einige der schlechten Spieler auf einmal angefangen haben, tight zu spielen. Du solltest das Spiel auch verlassen, wenn dich etwas in deinem Privatleben beunruhigt (Probleme zuhause, auf der Arbeit etc...). Oder wenn du dir selber ein Ziel gesetzt hast und dies erreicht hast, oder du dir eine Verlustrenze gesetzt hast und diese überschritten hast.
All die oben genannten Gründe sind richtig. Aber aus meiner eigenen Erfahrung habe ich einen weiteren Grund fürs Aufhören entdeckt. Wenn dir dein inneres sagt, dass es Zeit aufzuhören ist, solltest du darauf hören. Wenn die Alarmglocken anfangen zu läuten, egal ob nach 10 Stunden oder 10 Minuten, wenn du das Gefühl hast, dass du in dieser Session nicht mehr gewinnen kannst als du bereits schon hast, dann verlass den Tisch. Nehmen wir an, ein neuer Dealer ersetzt den alten und du hast ein komisches Gefühl. Du versuchst dein Gefühl als albernen Aberglauben abzustempeln, aber vertraue deinem Instinkt.
Wenn es ums Poker Spielen geht, hasse ich, damit aufzuhören. Ich habe schon Sessions gespielt, die länger als 20 Stunden gedauert haben. Normalerweise spiele ich in langen Sessions sehr gut, ich glaube, ich spiele tighter, wenn ich müde bin oder ich kann mich besser Konzentrieren, wodurch ich ein gutes Gefühl dafür kriege, wann ich ein Blatt folden sollte und wann nicht. Ich habe mich sogar schon mal gezwungen, bis zum Sonnenaufgang in einem Spiel zu bleiben, weil es dann leichter zu fahren ist, wenn draussen hell ist.
Nichtsdestotrotz, während den letzten Paar Sessions ist mir aufgefallen, dass eine meiner größten Schwächen darin besteht, dass ich nicht weiss, wann es Zeit ist, aufzuhören, nicht auf mein inneres zu hören und einfach weiterzumachen.
Ich hatte schon seit einiger Zeit kein Poker mehr gespielt, als ich mich vor einigen Tagen an einem $10/$20 Limit Holdem Tisch hinsetzte. Ich kam mit $300 an den Tisch (ein bisschen wenig, aber ich war sehr selbstbewusst). Ich bekam schnell das Gefühl, dass mein Ziel für diese Session ein Gewinn von $400 sein sollte. Das schien dem Spiel und dem Limit angemessen.
Schnell hatte ich die $300 verloren und kam mit weiteren $400 an den Tisch, und wieder versicherte ich mir, dass ich den Tisch verlassen würde, wenn ich $400 gewonnen hatte. Ich spielte mich in einen Rausch, und schon bald hatte ich $1,100 vor mir liegen.
Jetzt befand ich mich in einem kleinen Dilemma. Ich hatte mein Ziel erreicht und $400 gewonnen, aber es passierte so schnell, dass ich noch überhaupt nicht müde war. Ich war nicht on Tilt, das Spiel lief gut, ich hatte Spass. Ich hatte nur wenige Stunden gespielt, und ich wollte mehr Spass haben. Ich war noch nicht bereit, aufzuhören. Aber ich hatte so ein Gefühl, dass die $400, die ich "gewonnen" hatte (du hast nichts gewonnen, bevor du deine Chips eingetauscht hast) das beste war, was ich an diesem Tag erreichen könnte.
Um ehrlich zu sein, wenn ich spielen will, ist jeder Grund gut genug, um mich zu überzeugen, weiterzumachen, also blieb ich.
Ich musste schon bald einen "Bad Beat" hinnehmen. Dann noch einen. Dann fing ich an, verantwortungsloser zu spielen, was ein grosser Fehler war. Bevor ich mich versah, war ich wieder da, wo ich angefangen hatte. Vielleicht war dies der richtige Zeitpunkt zu gehen. Es kann leicht ein Tilt Faktor eintreten, wenn man einen Gewinn in der gleichen Session wieder verspielt, und im nachhinein bin ich mir sicher, dass dies auch passierte. Also stellte ich auf stur: es war noch früh, das Spiel machte immer noch Spass. Also machte ich weiter. Anstatt zu gewinnen, verlor ich weiter. Am Ende verlies ich den Tisch mit etwas mehr als $300. Nachdem ich $400 im Plus war, hatte ich am Ende fast $400 verloren, und ich schwor mir, dass dies nie wieder passieren würde.
Eine ähnlich Situation ereignete sich während meiner nächsten Session. Zum Glück war das Resultat diesmal nicht so schlecht.
Ich spielte ein $5/10 NL Spiel. Normalerweise spiele ich nicht solche hohen Stakes, aber dieses Spiel hatte es in sich. Ich kam mit $1000 an Tisch, so wie die meisten anderen Spieler auch.
Nach 7 Stunden hatte ich $3000 vor mir liegen. Ich war $2000 im Plus, und die Hälfte hatte ich von einem Spieler gewonnen, der gedacht hatte, er künne meine zwei Pärchen (A-Q) mit A-10 schlagen. Ich weiss nicht, warum er sich entschieden hatte, mir $1000 zu geben, aber ich war mehr als glücklich sie an mich zu nehmen. Als der Spieler den Tisch verlies, flüsterte mir sein Nachbar zu "das war ja mal ein Geschenk."
Ein neuer Dealer kam an den Tisch und auf einmal bekam ich dieses komische Gefühl, dass es Zeit war, für mich zu gehen. Warum sollte ich meinen schönen Gewinn riskieren? Zum größten Teil war es dieses instinktive Zeit-zu-gehen Gefühl, was überwog, aber dann kam der schlechteste Spieler am Tisch mit mehr Geld zurück, das Spiel lief immer noch gut etc etc. Man hätte ein Brecheisen gebraucht, um mich von diesem Spiel loszureisen - ein Brecheisen oder ein Bad Beat.
Ich schwor mir selbst, mich besonders zu konzentrieren und keine leichtsinnigen Fehler zu machen. Ich war in der Big Blind Position, alle anderen 6 Spieler gingen mit. Ich schaute auf mein Blatt und K-7 off suit. Ich checkte und der Flop zeigte K-7-9 mit zwei Karos. Der aggressive Spieler in der Small Blind Position erhöhte auf $20, ich erhöhte auf $60 und zwei Spieler gingen mit, der Small Blind foldete. Der Turn zeigte eine 10 (kein karo). Jetzt war sogar ein Straight möglich, wenn jemand J-8 auf der Hand hatte, was in diesem Spiel nicht unmöglich war. Ich checkte, der Spieler, den ich als schlechtesten Spieler am Tisch bezeichnet hatte, erhöhte auf $200, der Spieler neben ihm foldete und ich ging mit. Auf dem River ging er All-In mit seinen verbleibenden $225, ich ging mit und er zeigte 8-6, und hatte somit einen 10-high-Straight. Ich hatte recht gehabt mit der 10, aber es hatte mich fast $500 gekostet, um sicher zu gehen.
Und wieder überkam mich das Gefühl, dass es Zeit war, zu gehen. Und diesmal tat ich es auch. Ich war $1500 im Plus, aber fühlte mich trotzdem nicht alt zu gut. Ein weiteres mal hatte ich nicht auf mein Gefühl gehört, ein Blatt gespielt, was ich sonst nie spiele und verloren.
Der Punkt ist, sobald ich dieses Gefühl kriege, dass es Zeit ist aufzuhören, dass irgendetwas schlechtes passieren könnte, egal, wie gut das Spiel läuft, das Gefühl behält fast immer recht. Natürlich war es besser $1500 zu gewinnen als nichts, aber ich werde mir noch lange vorwerfen, den Tisch nicht früher verlassen und gegen den schlechtesten Spieler am Tisch $500 verlieren zu haben.
In meinen Gedanken hatte ich das Spiel schon verlassen, es hat nur einige Zeit gebraucht, bis mein Körper dies auch tat. Ich hoffe, ich habe aus diesen letzten beiden Sessions meine Lektion gelernt. Und wenn nicht, hoffe ich, dass zumindest du etwas von meiner Geschichte gelernt hast.












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