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Raising im Poker

Von: Camilla Goodman
Aktualisiert: März 29, 2007
Leser: 3320
237x230-Poker raise.pngDas Raisen kann beim Poker schon mal zur lästigen Angelegenheit werden. Wie wissen Sie, wann es richtig ist zu raisen? Klar, wenn Sie einen hohen Pocket Pair haben, wie zum Beispiel A-A, K-K oder Q-Q, ist die Frage leicht zu beantworten. Aber nehmen wir mal an, Sie haben ein kleines Pärchen auf der Hand, wie zum Beispiel 4-4. Kleine Pocket Pairs sind beim No-Limit immer eine sehr riskante Angelegnheit. Es ist fast unmöglich, sie zu folden, wenn Sie einen Dreier gelandet haben (auch ’Set’ genannt), aber es besteht auch immer die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Spieler ein besseres Set getroffen hat, besonders, wenn vor dem Flop nicht geraised wurde und beim Flop fallen, sagen wir 4-7-8, aus. In diesem Fall müssen Sie sich Gedanken machen, jemand hat vielleicht eine 5-6 auf der Hand.

Neulich spielte ich ein $2/$5 No-Limit Hold'em Spiel und hatte Pocket 4's in einer frühen Position. Nun könnte man leicht dafür argumentieren, beim No-Limit nie solche niedrigen Paare zu spielen, besonders nicht in einer frühen Position. Aber das Spiel, in dem ich verwickelt war, war ziemlich passiv und ich dachte, ich versuch mal mein Glück und gucke, was der Flop bringt.

Einige der Spieler foldeten, Spieler in der mittleren Position raiste bis $15 und 5 Spieler callten. An diesem Punkt entschied ich mich, es einfach mal zu versuchen. Mit dem Versuch ein starkes Pärchen zu representieren, raiste ich bis zu $80. Der Spieler, der zuerst geraised hatte, ging mit, sowie 3 andere Spieler, obwohl diese einige Zeit brauchten, um sich zu entscheiden.

Der Flop kam Q-10-4, mit zwei Pikkarten. Der Small Blind machte genau das, was ich machen wollte, er ging all-in für ungefähr $300. Mein Call kam automatisch. Die anderen Spieler foldeten, er zeigte seine Karten...Pocket 10's. Schlimmer hätte dieses Szenario für mich kaum ausgehen können. Wenn ich ihn mit meinem pre-flop Raise zum folden gebracht hätte, wäre der Pot nach dem Flop meiner gewesen. Oder wenn er sein Set nicht getroffen hätte, hätte ich meine Hand gezeigt und würde in Zukunft garantiert gecalled werden, wenn ich mit einem höheren Pärchen raise. Aber so wie es war, war es mir nicht möglich, mich von dieser Hand zu erholen und am Ende der Session stand ich mit einem Gesamtverlust von ungefähr $500 da.

Als ich später noch mal darüber nachgedacht habe, wurde mir klar, dass ich hätte wissen sollen, dass er ein starkes Blatt hatte, als er auf dem Flop all-in ging, nachdem er pre-flop meinen Raise gecalled hatte. Im Nachhinein war es eigentlich klar, dass er was besseres auf der Hand hatte, als ich nachdem er aus der Small-Blind Position all-in gegangen war. Vielleicht hätte ich pre-flop noch mehr raisen sollen, was ihn dann vielleicht dazu gebracht hätte, sein Blatt zu folden. Oder ich hätte einfach callen sollen und abwarten, was auf dem Flop passiert. Was auch immer ich gemacht hätte, im Endeffekt bin ich mir sicher, dass ich mein gesamten Stack an dieses 10er Set verloren hätte. Mein 4er Set war zu stark, um es zu folden. Ich hoffe, ich spiele niedrige Pocket Pairs in Zukunft mit mehr Vorsicht, wenn ich sie überhaupt noch spiele.

Während meiner nächsten Session von $2/$5 NL spielte ich ein Blatt mit mehr Vorsicht als ich es normalerweise tue. Vielleicht war es die Lektion, die ich von meinem Pocket 4's gelernt hatte. Ich war 'on the Button' und bekam Q-10 off suit, einige Spieler callten, kein Raise, also ging ich mit. Der Flop kam Qs-9d-Qc. Jeder checkte. Auf dem Turn kam die 10d, und gab mir das best-mögliche Blatt: Full House Queens full of Tens. Ein Spieler in einer frühen Position warf $45 in den Pot, wo bis dahin $25 drin waren. Ich entschloss mich nur zu callen, in der Hoffnung, dass er auf dem River ein Raise von mir callen würde. Auf dem River kam Kd. Mein Gegner schien über diese Karte sehr erfreut zu sein, da er ohne groß zu überlegen $125 in die Mitte warf. Er sah sogar etwas zu glücklich aus. Ich betrachtete den Kd und fing an zu glauben, dass ich nicht länger das beste Blatt auf der Hand halte. Er könnte K-Q auf der Hand halten, oder sogar K-K. Eine weitere Möglichkeit, jedoch eher unwahrscheinlich, war, dass er Qd-Jd auf der Hand hatte, welches ihm einen straight Flush geben würde. Ich entschied mich, trotzdem zu callen und tatsächlich... Er drehte seine Karten um und zeigte Qd-Jd!!

Der Rest des Tisches explodierte förmlich. Wie konnte ich mit einem Full House auf dem Turn nicht raisen?? Mein Gegenspieler sah etwas verärgert und niedergeschlagen aus, nachdem er mein Blatt gesehen hatte. Hätte er das gewusst, wäre sein Bet um einiges höher ausgefallen. Hätte er gewusst, dass ich auf einem Full House sitze, hätte er mindestend $200 in die Mitte geworfen. Was er jedoch nicht wußte war dies, weil der Pot nicht gerade groß war, hätte ich einen höheren Bet als seine $125 wahrscheinlich nicht gecalled. Ich war trotzdem sehr stolz auf mich, dass ich nach reichliger Überlegung zu dem Entschluß gekommen war, dass mein Blatt wahrscheinlich nicht das stärkste Blatt am Tisch war, und mir dadurch zumindest den Verlust eines Raises erspart hatte. Im NL Poker ist es von absoluter Wichtigkeit immer zu wissen, wo man steht und nicht unmengen an Geld daran zu verlieren, jemanden mit einem besseren Blatt zu raisen oder zu callen. Ich hoffe, eines Tages fähig zu sein, ein solches Blatt wie das vorhin besprochene folden zu können, wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich geschlagen bin.

Das bringt mich zu den niedrigen Pocket Pairs zurück. Ein weiterer Grund, warum diese Hands so gefährlich sind ist, dass wenn du ein Set floppst, aber ein anderer Spieler 2 hohe Paare floppt, wird es sehr teuer für dich, wenn er auf dem Turn oder River sein Full House trifft. Ich befand mich schon auf beiden Seiten dieser Gleichung. Einmal floppte ich 2 Paare, J's und 8's, gegen ein Set 4'er. Als ich dann auf dem Turn mein zweiten J traf, gab dies mir ein Full house J's full of 8's und meinem Gegner ebenfalls ein Full House, 4's full of J's. Er checkte, wie er es schon auf dem Flop getan hatte, und ich setzte ihn mit einem $450 Bet all-in. Er sagte sogar „Ich glaube, ich bin am Verlieren, aber ich geh mit."

Es gibt eine Meinung , die unter schwachen No-Limit Spielern sehr verbreitet ist, die besagt, dass wenn du ein Full House oder Set hast, du unbedingt callen MUSST. Aber diese Ansicht zu meiden wird dir viel Entäuschung und vor allem, viel Geld ersparen. Wieso um alles in der Welt solltest du callen, wenn du weisst, dass du nicht gewinnst? Die Antwort „Ich hatte ein Full House" ist einfach unlogisch. Wenn du sowieso nur das zweit-beste Blatt hast, kannst du auch genau so gut mit nichts auf der Hand callen.

Die Fähigkeit, ein starkes Blatt in gewissen Situationen zu folden, in ein klares Zeichen dafür, dads Sie ein guter Spieler sind. Es ist etwas, wonach ich immer strebe, wenn ich spiele, und ein guter Weg, um sich in der Hinsicht zu verbessern ist es, sich immer an die teueren Lektionen von früheren Hands zu erinnern.

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