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Das Spielen von Draws


Von: Fred Slendebroek
Aktualisiert: Aug 27, 2008
Leser: 1305
x-img4718d2af6d807.pngMir ist aufgefallen das viele Spieler Probleme haben wenn es dazu kommt, mit ihren gefloppten Draws richtig umzugehen. Aus dem Grund habe ich mich entschieden diesen Artikel zu schreiben um zu erklären, wie ich meine Draws spiele.

Zu Beginn sollte gesagt sein das ich ein ziemlich aggressiver Spieler bin. Ich übernehme gerne die Initiative in einer Hand. Das kommt einfach daher weil du mit callen nur gewinnen kannst wenn du das beste Blatt hast, aber dadurch das du setzt und erhöhst kannst du oft andere Spieler zum folden bringen und trotzdem den Pot gewinnen (im folgendem Artikel nenne ich dies FE, was für Fold Equity steht; die Chance, dass dein Gegner bei einem Bet folden wird). Wenn ich mein Spielen von Draws in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich sagen: „Mit Initiative, oder gar nicht."

Einer der größten Fehler die meiner Ansicht nach vor dem Flop gemacht werden liegt in der Hand Auswahl. Eine Hand wie KJ♠ sieht zwar schön aus, aber ist meistens doch ein leichter Fold. Weil Spieler zu oft diese Art von Hands spielen (non-suited Broadway Karten) kommen sie oft in Situation zurecht in der sie schlechte bis akzeptable Draws treffen (wie zum Beispiel ein Gutshot oder ein Open-Ended-Straight-Draw(OESD )) und danach überhaupt keine Ahnung haben was sie machen müssen um diese Hand profitabel zu spielen. Versuche also diese Art von Hands zu vermeiden wenn du noch zu den Anfängern gehörst. Ein Blatt wie 78 spielt sich um vieles einfacher als diese Broadway Hands, weil du mit diesen Hands ziemlich genau weist woran du bist und nur eine kleine Chance besteht dass ein anderer Spieler deine Outs auf der Hand hat, oder auf einen besseren Straight Draw hinaus ist als du.

Soviel zur Pre-Flop Situation. Jetzt beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Draws die es gibt und wie man diese Draws so gut wie möglich spielt. Meiner Meinung nach gibt es drei verschiedene Arten von Draws die alle sehr unterschiedlich von einander sind, und daher auch alle anders gespielt werden müssen.

Die erste Kategorie ist eine ziemlich einfache...nämlich schlechte Draws. Diese sind Draws wie ein Gutshot (10♠J bei einem 78♣ x-Board) oder das Idioten Ende eines OESD wo ein höherer Straight sehr wahrscheinlich ist(7h-8d bei einem 9s-10c-x Board). Das einzige was du mit dieser Art von Draws tun solltest ist sie zu folden! Die Chancen, deine Karten zu treffen, sind klein, und selbst dann sind die Chancen, dass du das beste Blatt hast, ebenfalls klein. Oder deine Hand ist so „durchsichtig" dass, sogar wenn du mit dem besten Blatt dastehst, du nur wenig Action am Tisch kriegen wirst. Natürlich gibt es in diesen Situationen auch Ausnahmen, wie wenn dein Gegner einen sehr kleinen Betrag setzt und du damit die richtigen (Pot-) Odds für einen Call kriegst, oder dein Gegner ein solcher „Donk" ist, dass du dir sicher sein kannst seinen ganzen Stack zu gewinnen wenn du triffst. Im Allgemeinen solltest du diese Hands aber sofort folden.

Die zweite Kategorie sind gute Draws wie zum Beispiel ein OESD (ohne das Idioten Ende zu haben) oder ein (nut ) Flushdraw. Dies sind die schwierigsten Hands um zu spielen, da es viele Faktoren gibt die eine Rolle spielen in deiner Entscheidung, wie du diesen Draw spielst. Der wichtigste Faktor hier ist nicht, wie viele glauben, deine Hand, sondern dein Gegner. Es ist also nicht so dass ich einen OESD immer Check/Raise und bei einem Flush Draw immer setze. Dies hängt vollkommen von meinem Gegner ab. Genau wie bei den verschiedenen Draws gibt es meiner Meinung nach auch drei verschiedene Spieler-Typen.

Gegen richtig schlechte Gegner entscheide ich mich oft (gegen meine Natur) eher passiv zu spielen und meine Draws nur zu callen. Der Grund hierfür ist dass ich dadurch den Pot klein halte, und weil diese Spieler fast nie ein Blatt folden werden (Top-Pair reicht oft um All-In zu gehen). Daher habe ich bei solchen Gegnern also kein FE (einer der wichtigsten Gründe um zu setzen und zu Raisen), habe aber trotzdem die Chance viel Geld zu gewinnen wenn ich treffe.

Die zweite Kategorie von Spielern sind die, die einigermaßen gut Poker Spielen können, aber trotzdem nicht zu den Spielern gehören, vor denen du dich fürchten solltest. Diese Art von Spieler sind gut genug um zu wissen dass wenn du auf dem Flop und Turn nur passiv callst und dann nach der dritten Flush Karte auf dem River plötzlich setzt oder erhöhst, du wohlmöglich deinen Flush getroffen hast. Bei diesen Gegnern solltest du dich darauf konzentrieren zwei wichtige Aspekte (Pot Control und Irreführung) auf verschiedene Arten zu kombinieren, so dass es für deine Gegner nicht so offensichtlich ist, dass du einen Draw hast, aber du trotzdem dafür sorgst dass der Pot nicht zu groß wird. Dies mache ich zum Beispiel in dem ich den Flop Check-Calle und dann auf dem Turn setze (wenn ich Out-of-Position sitze). Dieses Bet-Verhalten ist sehr untypisch für einen Draw und funktioniert perfekt um deinen Gegner in die Irre zu führen. Du solltest jedoch deinen Bet auf den Turn niedrig halten (ungefähr die Hälfte des Pots). Viele Gegner wissen nicht ob sie dies als Schwäche oder Stärke interpretieren sollen, und werden meistens einfach nur callen um zu sehen was der River bringt. Somit hast du also deinen Draw gut versteckt und kriegst noch einen relativ billigen River zu sehen. Woran du aber auch denken solltest ist dass du einen Raise von deinem Gegner nach deinen Turn Bet eigentlich nicht callen kannst. Das ist also das Risiko bei diesem Spielzug. Es gibt mehrere Wege, diese zwei Aspekte zu kombinieren, also probiere einfach einige davon aus und sehe selbst, welcher am besten zu dir passt. Viele Spieler entscheiden sich für einen Raise auf dem Flop und ein Check auf dem Turn, aber da dies mit Draws so oft gemacht wird ist deine Hand auch nicht mehr so gut versteckt.

Die dritte Kategorie von Spielern sind die guten Spieler am Tisch vor denen du Respekt hast und sie (hoffentlich) auch vor dir. Wenn ich gegen diese Art von Spielern einen Draw treffe, dann geht's rund. Diese Spieler sind im Stande ein Top Pair und sogar Overpair zu folden. Du hast hier also eine ziemlich hohe FE, wodurch dein Expected Value sich auch verbessert. Diese Spieler wissen dass wenn ein Draw auf dem Board liegt und du einfach nur callst, du höchstwahrscheinlich darauf hoffst deinen Draw zu treffen. Einfach nur passiv callen ist also keine gute Idee. Das Beste, was du gegen diese Art von Gegner machen kannst ist ein Bet/Call auf dem Flop und ein Bet auf dem Turn, oder ein Bet/Raise auf dem Flop und ein Bet auf dem Turn, um so viel Stärke wie möglich auszustrahlen. Wenn du so spielst werden deinen Gegner nie erwarten dass du nur einen Draw hast, und wenn er sich dann doch entscheidet dass sein Blatt gut genug ist um All-In zu gehen (was mit diesen Gegnern nicht häufig der Fall sein wird) kannst du einen richtig großen Pot gewinnen wenn du triffst. Der beste Aspekt, wenn du gegen diese Art von Gegnern spielst, ist jedoch die hohe FE. Diese Spieler sind im Stande, viele ihrer Hands einfach zu folden, also kannst du davon gut Gebrauch machen. Achte aber schon darauf dass du dies nicht zu oft machst, und dass, wenn es mal zum Showdown gekommen ist, du deine Spielweise ein wenig änderst um nicht zu vorhersehbar zu sein. Wenn du noch weist wie du die letzte Hand mit einem Draw gespielt hast, machst du dies das nächste Mal mit einem Monster Blatt. Dies machst du weil deine FE sich verringert hat nachdem deine Gegner gesehen haben wie du mit einem Draw so super aggressiv gespielt hast.

Jetzt kommen wir zur letzten Kategorie von Draws...die „Combo-Draws", die besten Draws die es gibt, mehrere gleichzeitig, wie zum Beispiel ein OESD oder Gutshot, zusammen mit einem Flush Draw. Bei dieser Art von Draws ist es wichtig, dass du so schnell wie möglich so viel Geld wie möglich in den Pot kriegst. Die einzige Ausnahme währe, wenn du es mit sehr schlechten Spielern (Kategorie 1) zu tun hast. Gegen diese Art von Spieler haben wir viel bessere Aussichten wenn wir einfach nur callen und erst dann setzen wenn wir getroffen haben. Gegen alle anderen Gegner wollen wir eigentlich so schnell wie möglich All-In. Der Grund dafür ist dass diese Draws auf dem Flop genau so stark sind wie die „Made Hands " deiner Gegner. Wenn du zum Beispiel einen OESD und einen Flush Draw hast, liegst du gegen deinen Gegner mit seinem Overpair in Führung. Gegen Spieler aus Kategorie 2 würde ich in diesem Fall einfach so viel Geld in den Pot kriegen wie möglich, am besten noch All-In gehen. Wir liegen mit einem solchen Draw gegen fast jedes Blatt in Führung, und weil deine Gegner hin und wieder auch einfach folden werden haben wir einen sehr positiven Expected Value. Dazu kommt dass sich die Gewinn Chancen mit diesen Hands auf dem Turn schon sehr verringert haben. Du willst mit diesen Draws also sowohl den Turn als auch den River sehen. All-In gehen solltest du übrigen nur wenn der Pot auf dem Flop schon relativ groß ist, damit du auch bei einem Fold deines Gegners noch was gewinnst. Du solltest also nicht bei einem Pot von $1 mit $25 All-In gehen.

Jetzt wo wir die verschiedenen Arten von Draws besprochen haben, bleibt eigentlich noch ein wichtiger Punkt übrig; das Spielen von Draws in Multi-Way Pots (Pots mit mehr als einem Gegenspieler). Hier ist für mich die Stärke meines Draws ausschlaggebend. Mit mehreren Spielern im Pot ist die Wahrscheinlichkeit nämlich groß das auch andere Spieler eine Draw getroffen haben, also ist die Stärke deines Draws umso wichtiger. Anders als zuvor, achten wir hier also mehr auf unser Blatt als auf unsere Gegner. Wenn wir nämlich einen Flush Draw haben ohne das Ass auf der Hand zu haben, oder das Idioten Ende eines Straight Draws, wollen wir nicht einen anderen Spieler mit einem ähnlichen Draw im Pot haben. Wenn wir aber den Nut Flush Draw getroffen haben, haben wir kein Problem damit wenn ein anderer Spieler ebenfalls einen Flush Draw getroffen hat. Dies sind nämlich die Hands wo wir richtig abkassieren können wenn wir treffen. Mit mehr Spielern im Pot wollen wir also unsere schwachen Draws Raisen, um die anderen Draws zum folden zu bringen, und mit unseren starken Draws nur callen, in der Hoffnung das ein anderer Spieler mit einem schwächeren Draw auch trifft. Ein weiterer Vorteil vom Callen mit einem starken Draw in einem Multi-Way Pot ist dass, wenn nach uns geraised wird, wir diesen Raise leicht callen können wenn die anderen Spieler vor dir auch callen, weil du damit die richtigen Odds für einen Call hast.


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