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Das Gap-Konzept Teil I


Von: Aaron Hendrix
Aktualisiert: Mär 31, 2008
Leser: 759
Ein wichtiger Begriff in Poker, vor allem im einem Turnier wo das überleben von höchster Bedeutung ist und Spieler sich nicht einfach neu einkaufen können, ist das „Gap-Konzept”. Dieses Konzept wird schon in David Sklansky ausgezeichnetes Buch “Tournament Poker for Advanced Players“ beschrieben. Sklansky beschreibt den “Gap” als die Lücke zwischen den Händen mit denen man ein Bet called, und mit denen man selber Raisen würde. Er geht noch ein Schritt weiter und erklärt „dass die Größe der Lücke immer vom Spielverhalten am Tisch abhängig ist. Wenn ihre Gegner Loose sind, gibt öfters keinen Gap (Lücke).”

In einem Turnier ist die Lücke öfters sehr groß. In anderen Worten, in einem Turnier ist es oft korrekt mit Händen zu setzten die weit besser sind, als die mit denen man ein Raise callen würde. „Das grundlegende Prinzip ist, das man Konfrontation mit denen vermeidet die schon Stärke gezeigt haben, und diejenigen bestraft die ihre Chips bewahren wollen.“ Sklansky erwähnt zudem auch noch eine große Ausnahme zum Gap-Konzept, nämlich wenn die Spieler hinter einem entweder sehr viele oder sehr wenige Chips hat, wäre ein „Loose“ Spielverhalten sehr unklug.

In diesen Artikel werde ich die Prinzipien hinter dem Gap-Konzept genau erläutern; die Vorteile, die Nachteile, die Schwächen und der richtige Umgang mit der Strategie. Ich werde euch zeigen wann das Konzept zutrifft und wann nicht. Am wichtigsten werde ich euch zeigen wie man das Konzept ausnutzt wenn es missbraucht wird.

Also, was genau meint Sklansky wenn er über das Gap-Konzept spricht? Betrachten wir es aus der Sicht des Anfängers. Wenn wir in unsere Karten schauen, sind unsere Aktionen allein von unseren Karten abhängig. Wir berücksichtigen unsere Gegner noch nicht einmal, ihre Vorgehungsweise und die der Spieler die noch am Zug sind. Z.B. Wir halten 10-10 auf der Hand, wissen das dies eine gute Hand und werden sie spielen – und das ist alles was wir zu tun wissen.

Das Gap-Konzept baut diese einfache Strategie aus, indem man es in zwei Szenarien unterteilt – beide davon abhängig ob man als erstes am Zug ist oder nicht. Wenn man nicht als erstes agiert, stellt sich die Frage ob vor einem schon gesetzt wurde? Wenn ja, dann ist es Ausschlaggebend in welche Katogorie der Spieler fällt. Ist er Loose, Tight oder ein bisschen von beiden? Wenn man als erstes agiert, ist lediglich die Anzahl an Chips der Spieler die noch handeln müssen wichtig.

Wenn der Pot vor Ihnen erhöht wurde, dann sind die Tendenzen und die Position vom dem Aggressor sehr wichtig. Ist er sehr loose und aggressive, dann ist die „Gap“ der Karten mit denen Sie callen oder erhöhen können sehr klein oder sogar nicht-existent. Der Grund dafür ist einfach... solche Spieler haben eine sehr große Variation an Karten mit denen sie erhöhen wurden, also sind die Karten mir denen sie Kontern können ebenfalls sehr breit gefächert. Eine Hand wie K-J ist gegen so einem Gegner durchaus spielbar. Ganz im Gegensatz zu einem „Tight“ Spieler. Wo K-J gegen einen „Maniac“ noch spielbar war, ist so eine Hand zum scheitern Verurteilt... die Lücke schließt sich. Vielmehr sollte man gegen sehr „Tight“ Spieler, die nur mit mindestens Q-Q oder besser erhöhen, ebenfalls nur „Premium“ Händen callen.

Die meisten Spieler assoziieren das Gap-Konzept nicht mit gesetzten Pots und mit welchen Karten man callen oder sogar erhöhen kann. Sie denken daran als erstes mit irgendwelchen Karten zu erhöhen. Dies ist auch bekannt als „Gap-Raising” und kann ein sehr effektive Waffe sein um Chips zu akkumulieren. Was ist die Wahrscheinlichkeit das Ihre Gegner folden – das ist die wichtigste Erkenntnis bei so einen Spielmanöver. Wenn der Gegner nach Ihre Aussicht nicht so schnell foldet, dann verengt sich der „Gap“, die Anzahl der Karten mit denen sie erhöhen können ist gering. Wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dann wiederum erweitert sich das Spektrum der Spielbaren Karten. In dieser Instanz, sollten und werden Karten auf Ihre Hand nicht von Bedeutung sein.

Schauen wir uns ein paar Beispiele an in denen das Gap-Konzept angewandt wird:

Beispiel #1: Sie haben A-J Suited. Ein extrem Tight Spieler der bisher nur 3mal gesetzt hat, jedes mal mit einem großem Ass oder großem Paar, hat 4mal den BB von früher Position gesetzt. Viele würden hier schon alleine auf Grund ihrer guten Position callen. Wenn Sie jedoch das Gap-Konzept anwenden, sollten sie schnell merken das sie folden müssen. Ich sage nicht das man Grundsätzlich A-J Suited folden sollte, aber es gibt etwas was sie unbedingt beachten müssen. Was passiert wenn der Flop Bube Hoch kommt, oder Ass hoch? Q-Q, K-K,A-Q usw. hat Sie dominiert und sie wissen es noch nicht mal. Das Spektrum der Karten die Ihr Gegner auf der Hand hat ist weitaus besser Ihre Hand, die auch „Problem-Hand“ genannt wird. Sie werden vor eine sehr schweren Entscheidung stehen und nicht selten viele Chips verlieren. Das Gap-Konzept versucht solche schwierigen Konfrontationen zu vermeiden mit der Aussage „Bitte hier Folden!“

Beispiel #2: Selbe Hand und Position wie in Beispiel #1. Diesmal ist der Aggressor ein “Maniac” der 8 der letzten 12 Händen erhöht hat. Jetzt ist Ihre Lücke sehr schmal und A-J durchaus eine sehr starke Hand. Mit den Gap-Konzept angewandt werden sie schnell merken das Sie nicht nur callen... sondern am besten gleich erhöhen sollten. Die Wahrscheinlichkeit das Ihre Karten besser sind ist hoch.

Beispiel #3: Sie agieren als erstes im CO. Drei Spieler noch hinter Ihnen, die alle mittelgroße Stacks haben. Es sieht so aus als wollten sie alle Drei den nur Payout überleben – eine wichtige Erkenntnis! Sie schauen Ihre Karten an und sehen 7-3 Off. Hier können Sie das Gap-Konzept anwenden und erhöhen, mit der korrekten Annahme dass alle drei höchstwahrscheinlich folden werden. Die Lücke ist, wegen der Tendenzen Ihrer Gegner, groß.

Beispiel #4: Gleiches Szenario wie in Beispiel #3, nur das der BB viele Chips hat und tendenziell von seinen Blinds callt. Das ist ein Musterbeispiel der Ausnahme über die Sklansky gesprochen hat. Hier brauchen Sie eine bessere Hand als 7-3 Off. Hier sollten sie Folden, weil Ihr Freund auf dem BB ihre Lücke schließt.

Beispiel #5: Gleiches Szenario wie in Beispiel #3, mit der Ausnahme dass der BB nur noch 2mal den BB hat. Ebenfalls trifft dieses Szenario auf Sklansky Ausnahme zu – wenn ein Gegner sehr wenig Chips hat, ist die Wahrscheinlichkeit das er aus purer Not oder Pot Odds alles callen wird. Auch hier brauchen Sie eine bessere Hand als 7-3 Off. Der short Stack schließt Ihre Lücke ebenfalls.

Das Verhaltensmuster Ihrer Gegner ist von großer Bedeutung um das Gap-Konzept erfolgreich einzusetzen. Wenn Sie eine Hand wie A-J Suited auf dem Button folden weil jemand vor Ihnen in früher Position gesetzt hat, dann machen Sie einen Fehler. Wenn Sie jedes mal aus erster Position erhöhen weil Sie denken das dies dem Gap-Konzept entspricht, dann haben das Prinzip nicht richtig verstanden.

Ich kann immer wieder unterstreichen wie wichtig es ist seine Gegner zu kennen, rauszufinden ob sie Loose oder Tight sind – ihre call-Tendenzen ausfindig zumachen. Wenn Sie dies tun, können Sie das Gap-Konzept richtig einsetzten und die Entscheidung die Sie treffen müssen sind Sonnenklar. Wenn Sie sich also an einem Tisch setzten, dann notieren Sie wie oft die Spieler als erstes den Pot setzten. Wenn sie es oft tun, dann ist der Gap groß, wenn nicht, um so schmaler sind Ihre Möglichkeiten. Achten Sie auch darauf wie oft sie ihre Blinds callen. Wenn Spieler öfters zu einem Raise ihre Blinds folden, dann erweitert sich Ihre Gap wiederum – auf der anderen Seite wenn Spieler sich ungern von ihren Blinds trennen können, sollten Sie Ihre Gap weiter schließen.

Gap-Konzept Teil II


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