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Poker News | Leute im Poker | Poker Interviews

Chip Reese – Das letzte Interview Teil 1

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Ich habe mich vor kurzem mit Chip Reese, bezüglich eines Artikels den ich über Stu Ungar und Phil Ivey für das All-in Magazin schreibe, unterhalten. Dieses Gespräch wird als letztes Interview von Chip Reese vor seinem Tod anerkannt. Ein Großteil des Gespräches ist hier dokumentiert, das komplette Interview findet ihr in der neusten Ausgabe des All-in Magazins.

KL: Was sind ihre Erfahrungen mit beiden Spielern?

Chip: Ich denke dass Phil Ivey der bessere Pokerspieler ist. Stuey war ein Spitzenkandidat im jedem Turnier, einer seiner Stärken, keine Frage. Jedoch war Stuey auch ein schlechter Verlierer. Er spielte in einer Ära in der es nicht so viele gute Spieler gab wie heute, zumindest was Cash Games betrifft. Stuey spielte am besten wenn er in Führung war, er brauchte die Siegesgewissheit um sein Spiel zu spielen. Dann spielte er so gut, dass andere Leute an seinem Tisch fast verrückt geworden sind. Wenn er jedoch in Rückstand war, verschenkte Ungar praktisch seine Chips am ganzen Tisch. Phil spielt ein bisschen anders. Er hat zwar auch viel von Stueys Spielweise, rücksichtslos und sehr aggressiv, jedoch ist Ivey inzwischen reifer geworden als Stuey jemals war.

KL: Kurz nachdem er mit Gin aufgehört, hat er sehr oft mit Ihnen High Stakes Cash Tables gespielt. War er zu der Zeit gut?

Chip: Ja, er war damals gut. Phil und Stuey waren sich in der Sache auch sehr ähnlich. Phil hat nicht Ansatzweise so gut gespielt wie heute, jedoch hatte er sehr viel Glück. Ebenso wie Stuey und wurde zum besseren Spieler als Phil zur seiner Zeit. Klar, wenn man mit bessern Spielern spielt, wird man besser, es sei denn man ist ein Idiot. Und darauf kommt es an. Stuey hatte ein größeres Ego als Phil und hat deswegen wahrscheinlich auch nicht so viel dazu gelernt. Der Schlüssel zum Erfolg in einem High Stakes Tisch, ist nicht wie gut man spielen kann, oder lang man sein gutes Spiel anhalten kann. Es ist wenn gar nichts klappt, für Monate, dass man wirklich merkt ob man für das Spiel geschaffen ist oder nicht. Viele der jungen Spieler haben diese Erfahrung noch nicht gemacht und da sie sich noch nie mit sowas auseinander gesetzt haben, zerbrechen die daran. Die verfallen in Panik und versuchen verzweifelt ihr Spiel zu ändern - meistens endet das in schwerwiegende Fehler. Phil hat besser aus solchen Situationen gelernt als Stuey. Phil ist generell der bessere Spieler, aber nicht in NLHE. Stueys Rekorde ind Hold'em Turniere sprechen für sich selbst. Ich war damals sehr beeindruckt von ihm.

KL: Was wäre wenn die beiden an einem Tisch säßen.

Chip: [Teilantwort aus dem Artikel] Ich glaube, dass Phil am Pokertisch mehr Charakter hat als Stuey. Allein Phils Charakter ware in der Lage, Stuey zu durchshauen und zu gewinnen.

KL: Was genau meinen Sie mit Charakter?

Chip: Charakter ist ein fundamentaler Aspekt von Poker. Es geht nicht darum, wer welche Hände am besten Spielt, sondern wie man mit seinen Emotionen und dem Leistungsdruck umgeht. Vorallem wenn es schlecht läuft. Wenn Stuey einen schlechten Tag gehabt hatte, zerbrach er daran und verteilte seine Chips praktisch ohne Gegenwehr. Im Turnier fallen solche Schwächen nicht sonderlich auf - wenn man verliert ist man draußen - ganz einfach. Wenn man jedoch für seinen Lebensunterhalt spielt, wenn man täglich versucht das Spiel zu schlagen und Profit zu machen, dann fallen die Schwächen auf. Man muss auch sein Privatleben unter Kontrolle haben. Wenn man charakterlich schwächelt, wie es bei Stuey der Fall war, reicht ein schlechter Tag schon um Pleite zu gehen - sowas passiert schneller man denkt. Stuey ist sowas öfters passiert. Er hat Geld gewonne und ist immer wieder Pleite gegangen. Er war ein angenehmer Heads-up Spieler, klar konnte er dich jeder Zeit schlagen, aber es brauchte nur ein Bad Beat ihm aus seinen Spiel zu bringen. Ich würde eher mit Stuey spielen als viele Andere heutzutage und das nicht weil er ein schlechter Spieler ist, sondern weil seine Charakter sich über Dauer nicht bewähren konnte.

Chip Reese Teil 2